Das Affolter-Modell®

Es entstand ursprünglich aus der Frage, warum Kinder, die hören konnten, Sprachstörungen aufwiesen. Diese Kinder zeigten zudem Auffälligkeiten bei nicht-sprachlichen Leistungen der Wahrnehmung, z.B. Ungeschicklichkeit, mangelnde Hand-Augen-Koordination etc.

Dr. Félicie Affolter (Wikipedia) und ihr Team fand dank langjähriger, teilweise vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierter klinischer Studien und von Studien basierend auf Verhaltens­beobachtungen bei sinnesgesunden Kindern, Kindern mit Sinnesschädigung (blinde Kinder, Kinder mit schweren Hörstörungen) und den vorgängig erwähnten Kindern mit Sprachstörung ohne Hörstörung grundlegende Unterschiede:

Unterschiede betreffend Entwicklung

Während die Entwicklung von sinnesgesunden und von Kindern mit Sinnesschädigung mit einer grossen Regelmässigkeit verläuft, zeigen Kinder mit Sprachstörung ohne Hörstörung eine andersartige, diskrepante Entwicklung: Es bestehen vereinzelte gute Entwicklungs­leistungen und gleichzeitig mehrheitlich deutlich auffällige Entwicklungs­leistungen beim gleichen Kind.

Unterschiede betreffend Information

Das Kind mit unauffälliger Entwicklung ist der spontanen Interaktion während der ersten Lebensjahre darauf ausrichtet, die Umwelt primär explorativ über das Spüren zu erkunden. Dies führt zu einem Reichtum an Spürerfahrung. Kinder mit Sprachstörung ohne Hörstörung sind dagegen primär auf das Suchen anderer Information ausgerichtet: Sie bewegen sich viel und gelangen so zu kinästhetischer Information in den Gelenken, schauen viel oder sprechen viel und gelangen so zu visueller oder auditiver Information. Aufgrund einer angenommenen Beeinträchtigung der Wahrnehmungs­organisation gelingt es ihnen aber kaum, spontan zu Spür­erfahrungen zu gelangen. Wir müssen bei diesen Kindern von einem Mangel an Spürerfahrung sprechen.

Folgerungen

Aus diesen Erkenntnissen folgerte Affolter, dass Spürerfahrungen die Wurzel der Entwicklung bilden. Wächst die Wurzel, entsteht ein Stamm und dann Äste. Diese Äste sind die Entwicklungs­leistungen, die in Abhängigkeit vom Wachstum der Wurzel entstehen.

Und die Folgerung für die Förderung von Kindern mit auffälliger Wahrnehmungs­organisation: Werden diese Kinder bei alltäglichen Geschehnissen wie ankleiden, etwas zum Essen zubereiten etc. geführt, können sie auch zu Spürerfahrungen gelangen. Die Wurzel kann wachsen und so die Entwicklung positiv beeinflusst werden.

Mittlerweile wird das Affolter-Modell bei verschiedensten Gruppen von KlientInnen mit Erfolg angewendet: Menschen jeden Alters mit angeboren Auffälligkeiten in der Wahrnehmungs­organisation, Menschen, die denen diese Schwierigkeiten als Folge einer Hirnverletzung oder -erkrankung auftreten und Menschen mit degenerativen Erkrankungen des Gehirns.

Meine Publikationen zum Affolter-Modell®

Weitere Publikationen

Eine vollständige Liste der Publikationen zum Affolter-Modell® finden sie auf apwschweiz.ch/affolter-modell ganz unten.